Das PAT-System im VdP Paderborn

Freitag, 16.April 2004, 18:00 Uhr: zum ersten Mal betritt mit Ralph Eckert ein professioneller Poolbillard-Trainer das Vereinsheim des VdP Paderborn - mit einem Trainingssystem in der Tasche, welches es in sich hat. Es zeigt systematisch Schwächen und Stärken auf, lässt praktisch von selbst Trainingsplan und -ziel entstehen und ist hoch motivierend: der Playing Ability Test ( deutsch: Spielvermögenstest SVT) .

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: dies soll keine unreflektierte Lobhudelei und Werbung für das PAT-System werden, sondern ein Erfahrungsbericht darüber, wie sich Training und Leistung seit Beginn der Zusammenarbeit mit Ralph Eckert bei uns im VdP Paderborn entwickelt haben.

Kurz skizziert

Bei der Durchführung eines SVTs ist eine Zusammenstellung von Aufgaben am Tisch zu bewältigen, die in zehn Kategorien eingeteilt sind, etwa "Geradlinigkeit", "Kleines Positionsspiel", usw.

Die jeweils erreichte Punktzahl fließt - je nach Kategorie anders gewichtet - in eine Gesamtpunktzahl ein, die dann nach Abschluss aller Aufgaben den aktuellen Leistungsstand des Spielers widerspiegelt.

Es gibt drei verschiedene Stufen von Tests - je höher die Stufe, desto schwieriger die Aufgaben und desto höher die Anforderungen. Je nach erreichter Punktzahl erwirbt man ein Emblem - ganz ähnlich dem bekannten Gürtelsystem in den verschiedenen Kampfsportarten.

Training

Was kann ein solches System zu einem effizienten und erfolgreichen Training beitragen? Dazu sind aus meiner Sicht mehrere Aspekte zu betrachten.

1.Schwächen und Stärken werden aufgedeckt. Die Kategorisierung der Aufgaben hat zur Folge, dass man ganz klar erkennt, welche Defizite oder auch Stärken man in ganz konkreten Bereichen hat. Dem einen fallen besonders die Aufgaben des kleinen Positionsbereichs schwer, der andere versagt bei den Bankern oder bei der Geradlinigkeit, räumt dafür aber bei den Draw Shots ab.

Natürlich überschneiden sich die einzelnen Kategorien zum Teil. Dennoch liefern die Ergebnisse des Tests wertvolle Hinweise darauf, welche Schwächen man im Training angehen muss - der erste Schritt zu einem persönlichen Trainingsplan.

2.Grundlage für einen persönlichen Trainingsplan. Es werden Übungen angeboten, die der Kategorisierung in den Tests folgen. Das ermöglicht die zügige Erstellung eines abwechslungsreichen Trainingsplans, der konkret die Schwachstellen im Spiel adressiert, die bei der Analyse der Ergebnisse zutage treten. Beispielsweise konzentriert man sich zwei Wochen bei der Übungsauswahl eher auf die Geradlinigkeit, danach auf den großen Positionsbereich usw.

3.Kontrolle der Ergebnisse. Die Konzentration auf ganz bestimmte Übungen und das regelmäßige Erfassen von Ergebnissen in Tabellen und Listen liefern schnell ein konkretes Bild darüber, wie sich die Spielstärke eines Spielers über die Zeit entwickelt. Das Ausmerzen von Schwächen ist dann mehr als nur ein gefühltes Ergebnis - es liegt Schwarz auf Weiß vor.

Die Arbeit mit dem PAT-System im VdP Paderborn

Im Rahmen des Mannschaftstrainings werden viele Übungen und Vorlagen des Systems verwendet. Darüber hinaus werden immer wieder kleine Theoriesitzungen eingelegt, um Wissen zu vermitteln - Bandensysteme, Standardsafes im 14/1 etc...

Wie bei jedem systematischen Training erfordert die Arbeit mit dem PAT-System aber einiges an Disziplin und Vorbereitung. Habe ich keinen Trainingsplan, kann ich auch nicht strukturiert und systematisch vorgehen. Hier ist sicherlich noch viel Potenzial, das Training bei uns im VdP Paderborn effektiver zu gestalten.

Diejenigen, die bisher nicht direkt am Training mit Ralph teilnehmen konnten, werden von den anderen unterstützt. So nehmen die erfahreneren Spieler bei den anderen SVTs ab und begleiten das Training. Damit profitieren alle Mitglieder vom Knowhow und der Erfahrung von Ralph.

Auswirkungen und Effekte: phänomenal!

Die Auswirkungen des Trainings, sowohl im technischen als auch im mentalen Bereich, sind mehr als bemerkenswert. Davon zeugt auch nicht zuletzt der große Erfolg, den unsere Sportler in den vergangenen Monaten erreicht haben: Mannschaft I ist ungeschlagen in die Oberliga aufgestiegen, Dirk Fornefeld und Melanie Süßenguth haben sämtliche Einzeltitel gewonnen, Jürgen Schreiber ist Westfalenmeister im Achtball Pokal geworden, einige Achtungserfolge und gute Platzierung bei großen Turnieren... Auch haben sich mit Jürgen Schreiber und Melanie Süßenguth erstmals zwei VdPler für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.

Niemals zuvor waren die Sportler des VdP Paderborn derart erfolgreich.

Auch der Motivationsschub, den der Verein erlebt, ist nicht von der Hand zu weisen. Vor der Einführung des PAT fand ein echtes Training im VdP Paderborn nur sehr spärlich statt. Es gab nur wenige Spieler, die versuchten, Ihr Spiel durch eine systematische Herangehensweise zu verbessern. Aktivitäten wie das Anfängertraining waren da löbliche Ausnahmen.

Nun aber ist ein wahrer Trainingsboom entstanden. Dienstags Mannschaftstraining, mittwochs Mannschaftstraining, donnerstags Mannschaftstraining... Die Zeiten, in denen man immer einen Tisch zum freien Spiel ergattern konnte, gehören - glücklicherweise - der Vergangenheit an.

Kritik

Es fällt mir schwer, wirkliche Schwächen des PATs zu finden. Da das System sich noch in der Entwicklung befindet, kann man allenfalls anmerken, dass die bisher erschienenen Bücher von Eckert sich in zukünftigen Ausgaben noch stärker am PAT-System orientieren sollten. Klare Zuordnungen der Übungen zu entsprechenden Kategorien, Vorlagen für sinnvolle Zeitpläne oder ein System für die computergestützte Auswertung sind dabei Vorschläge, die mir auf Anhieb einfallen.

Auch die Integration der mentalen Seite ist noch etwas unterentwickelt. Nach meiner Vorstellung sollte das Ziel der Entwicklung des PATs ein ganzheitliches System mit technischen, aber eben auch mit mentalen Aspekten sein - inklusive entsprechender Übungen.

Daher halte ich den Namen des Systems leider auch für etwas kurz gegriffen. Es wird hier wie ich finde zu sehr auf den Test als solchen fokussiert und der oben beschriebene Umfang des Systems vernachlässigt.

Fazit

Alles in allem hat das "PAT Pack", wie sich die Entwickler des PAT-Systems selbst getauft haben, konsequent zu Ende gedacht, wie man systematisch sein Spielniveau steigern kann - mit einem Trainer oder allein. Erstellung einen Katalogs und Kategorisierung guter Übungen, Systematisierung des Trainings, Protokollierung von Ergebnissen... keine Neuerfindung des Rads, sondern die Zusammenstellung bewährter Methoden zu einem System "aus einem Guss".

Die Motivation, die die Vergleichbarkeit mit anderen Sportlern zur Folge hat, ist dabei aus meiner Sicht ein wesentliches Plus des PAT; fehlen beispielsweise nur 50 Punkte zu einem Ralf Souquet, dann will man natürlich beim nächsten Mal einen besseren Test hinlegen, auf den man sich eben entsprechend intensiv vorbereitet, um bisherige Schwächen zu eliminieren - die Definition von gutem Training.

Die Arbeit mit dem PAT-System hat sich als überaus einfach, effektiv und motivierend erwiesen und der VdP Paderborn hat außerordentlich davon profitiert - der Erfolg zeigt dies deutlich.

Andree Wormuth